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Brigitte Deval
Podere Casanova
I-53020 TREQUANDA/Siena
Tel.:00390577662201
www.bdeval.com
senavetus@libero.it
Obwohl Ihr mich alle wahrscheinlich schon kennt, möchte ich nochmals kurz auf das große Spektrum meiner Arbeit hinweisen.Ich mache: Puppen, Miniaturfiguren 1:12, Portraitbüsten, Gartenskulpturen, Pfeffermühlen, für die Pfeffermühlen selbstgeschmiedete Abschlüsse aus Silber, z.B. Janusköpfe, dann vielerlei Christbaumschmuck aus alten Materialien, aber auch Scherenschnitte, einzeln modellierte Engelchen, Rauschgoldengel, Püppchen zum Aufhängen, dekorierten Glasschmuck mit eigens von mir entworfenen Amphoren. Ich mache zeitgenössisches Schmuckdesign, aber auch Schmuck, der von der Antike inspiriert ist, und zu Allem gebe ich auch Unterricht im Modellieren.Bin jederzeit bereit Eure Ideen künstlerisch umzusetzen und nehme jeden Auftrag an, bei dem ich mein künstlerisches Können einsetzen kann.
BIOGRAPHIE
Vielleicht werde ich nun doch einfach und mit meinen eigenen, zwar subjektiven Worten aufschreiben wie es kam, daß nun gut drei Jahrzehnte das Thema ‘Künstlerpuppe’ den Sammlermarkt beherrscht. Es ist für mich nicht leicht das zu tun, wissend, daß meine Arbeit zu einem nicht unerheblichen Teil ausschlaggebend war, daß sich diese Entwicklung vollzogen hat. Ich werde versuchen so einfach als möglich darzustellen, wie sich eines zum anderen fügte und hoffe, mich dabei nicht in Banalitäten zu verlieren. Doch möchte ich davor noch einige ganz persönliche Elemente aus der Zeit meiner Kindheit ansprechen, die mir erst jetzt, in Gedanken zum gegebenen Thema wieder eingefallen sind. Vielen wird es so gegangen sein wie mir, die ich von Seiten meiner Familie mit jenen Puppen in Berührung kam die noch aus der Kindheit meiner Urgroßeltern stammten.Einmal im Jahr, in der Adventszeit, öffnete meine Mutter eine große Truhe in der Diele, legte das zarte, vergilbte Seidenpapier zur Seite unter dem säuberlich aufgestapelte, niemals benützte Tisch -und Bettwäsche aus der Aussteuer meiner Mutter lagerte, und die, als sie entfernt war, die Schätze preisgab, die für uns Kinder von besonderem Interesse waren: das Poesiealbum meiner Mutter, -dessen Eintragungen in gestochen altdeutscher Schrift, umrahmt von reichlichen Ornamenten uns erst ganz fremd vorkam, bis zum Augenblick in dem wir daraus vorgelesen bekamen und entdeckten, daß die Gedichte, Reime und Sprüche die ganz gleichen waren, wie sie in unseren eigenen Poesiealben reihum gingen-, dann wunderschöne illustrierte Ausgaben alter Märchen, ein Buch deutscher Sagen, mit den schönsten Stichen der Darstellungen jener heren und mutigen Personen, die die damalige Zeit bevölkerten; alte, zum Teil handgeschriebene Liederbücher, und ganz zu unterst, in etwas beschädigten Schachteln drei Puppen. Sie unterschieden sich von den Puppen mit denen wir spielten eindeutig. Unsere hatten dunkelrosa Haut und die Haare waren nicht aufgeklebt sondern modelliert. Sie wirkten zudem etwas steif im Gegensatz zum beweglichen Gliederkörper der Puppen die uns nun meine Mutter zeigte, und die wir, ich und meine beiden jüngeren Schwestern unter eindringlicher Ermahnung, schon auch mal in die Hände nehmen durften. Das Gesichtchen unserer Zelluloidpuppen war kindlich, hatte einen lieben Ausdruck und war uns vertraut, wärend die Gesichter der Puppen aus der Truhe schön und eigenartig waren, und damit in mir eine besondere Antenne berührten und eine große, unbestimmte Sehnsucht in mir weckten.Ich bin mir bewußt, daß über alte Puppen schon alles gesagt ist was man sagen konnte, -sie waren es, mit der die Leidenschaft des Puppensammelns schon in den fünfziger Jahren, und vielleicht auch schon davor begonnen hatte, und die schönsten Exemplare waren innerhalb relativ kurzer Zeit, in erlesenen Privatsammlungen und Museen untergekommen. Ich vermute, daß der Wunsch nach den unnahbar Schönen, die aus oben genannten Gründen immer seltener wurden, und die daraus resultierenden hohen Preise, in erster Linie dazu beigetragen hat, daß viele Frauen, -denn es waren vor Allem Frauen-, begannen, selbst Puppen zu kreiren.Es wäre ein bißchen geschwindelt, würde ich vorgeben, für meine Puppenmacherei ausschliesslich von alten Marionetten, Kasperelepuppen, Krippenfiguren und anderen Skulpturen und Kunstwerken angeregt worden zu sein. Diese haben zwar einen unermesslich starken Anteil an meinem Schaffen, aber etwas haben auch die alten ‘Spielpuppen’ dazu beigetragen, und dazu möchte ich noch einmal auf die Porzellanpuppen in unserer Truhe zu sprechen kommen und die Auswirkung, die sie auf meine Arbeit hatten.Ich bin in der unmittelbaren Nachkriegszeit groß geworden, und mein Vater, der künstlerisch sehr interessiert war, und bald Erfolg hatte mit seiner freiberuflich fotografischen Arbeit, prägte unserer Wohnung und Einrichtung die klaren Linien der Zeit des Bauhaus auf. Es gab kaum ‘verschönernde’ Objekte, noch war sonst irgendein Gegenstand, Kleidung etc. mit Kitsch in Verbindung zu bringen. Wir als Kinder wurden von Glitzerkram aller Art ferngehalten und überhaupt hatten wir vieles nicht, was für unsere Schulkameradinnen selbstverständlich war. Deshalb war es für mich jeweils ein unglaublich beglückendes Erlebnis, wenn an Geburtstagen, Ostern oder Weihnachten gewisse Schranken fielen. Ein festlich gedeckter Tisch ließ damals ebenso meine Augen leuchten, mit den vergoldeten Tellern, Schüsseln, den Kandelabern, und dem frischen Blumenschmuck, wie am heiligen Abend der Christbaum, der entgegen der sonstigen Regeln im Hause, sogar mit reichlich silbernem Lametta, altem und neuem Baumschmuck und Unmengen an glänzenden Schokoladeanhängern, und Äpfeln und Orangen geschmückt war.In dieses Bild des Überflusses, waren also auch die in der Advendszeit hervorheholten Puppen einzufügen. Sie waren so reich gekleidet und auf ihrer hellen Haut so sorgfältig geschminkt wie für mich damals manche schönen, erwachsenen Frauen, und ihr Blick schien ins Leere gerichtet, zart und gleichzeitig unnahbar und sie hatten dieses herrliche echte lange Haar.Und eines Tages, als meine Mutter meinte, ich sei nun groß genug, wurde mir eines dieser Geschöpfe zum Spielen überlassen, eine Puppe, die über viele Jahrzehnte fast ungespielt in ihrer Schachtel geschlummert hatte. Sie war dann innerhalb kurzer Zeit durch meine Unachtsamkeit zerbrochen und die anderen beiden, die irgendwann meinen Schwestern geschenkt wurden, nahmen bald das gleiche Ende. Daß dann der zerbrochene Kopf mit einem minderwertigeren alten Kurbelkopf ausgetauscht wurde trug nicht dazu bei, eine enge Beziehung zu der ja nun neuen Puppe aufzubauen, sie hatte zwar noch das Haar, das viel gekämmt bald ganz unansehnlich wurde, doch der Kopf mit dem gewöhlichen Ausdruck ließ sie nie zu meiner Freundin werden. Aber die Sehnsucht nach der schönen, kindlich-erwachsenen Kreatur in der Truhe ist geblieben und ich wage den Vergleich mit einem Phänomen unserer Tage: den Models unserer Zeit. Oft noch unter dem Alter von fünfzehn Jahren, werden sie durch geschicktes Schmincken zu entrückten Wesen gestilt, so daß selbst Makel zum Gegenstand des Vollkommenen sublimiert erscheinen und die Unschuld und die Kindlichkeit unter der Tünche kaum mehr wahrnehmbar ist. Es wäre in meinen Augen falsch zu sagen, daß die alten Puppen, wie viele meinen, einen stereotypen oder gar keinen Ausdruck hätten, (ich spreche jetzt nicht von den Charakterpuppen, sondern von den Bru’s, Jumeaus etc.), doch sie sind zu schön und zu vornehm, -der zarte kindliche Schimmer um Augen und Mund tritt durch die stilisierte Bemalung oft in den Hintergrund, dadurch wirken sie gleichzeitig wie kleine Frauen- und ich glaube, daß es allemal die verkleinerte Form eines Menschen ist, die den Mutterinstinkt im Kind weckt, nachdem Kinder diese herrliche Suggestionsgabe haben. Diese für uns heute so kostbaren Sammlerobjekte waren für die auch wohlhabenden Kinder der Vergangenheit, ja meist fast anbetungswürdige Wesen und oft eher zum Bestaunen, als sie innig zu lieben.Mein Interesse an dieser Materie wurde aber ganz plötzlich noch geschürt: meine jüngere Schwester hatte damals Scharlach und um die lange Zeit des Bettliegens zu versüßen, wurde ihr ein sehr schönes Buch, mit Abbildungen alter Puppen geschenkt, das ich immer und immer wieder in die Hand nahm und das mich in der Vielfalt der Darstellungen nicht unerheblich beeinflußte. Ganz besonders gefielen mir die Gesichter der Wachspuppen der Puppenmacherfamilien Montanari und Pierotti und immer wieder versenkte ich mich in den Anblick dieser Puppenmädchen mit den weiten, klaren Augen. Das Wachs das schon in den Jahrhunderten davor, das bevorzugte Material war um Jesuskindlein für den Hausgebrauch zu formen, gab auch diesen Puppen den unnachahmlichen Charakter von Zartheit im Blick. Daß oft Risse im Wachs die Oberfläche entstellten, berührte mich nicht weiter. Ich kann mich aber auch noch an eine andere Kategorie von Puppen erinnern: die Automaten, die mich so beeindruckten, daß ich mir in meinem Leben nichts sehnlicher wünschte, als so ein mechanisches Kunstwerk selbst einmal zu besitzen. Ich werde sie nie vergessen, die Abbildung einer porzellanenen blonden Puppe und deren Beschreibung, die sich, wenn man sie aufzog, aus der geschlossenen Blüte einer Rose erhob. Selbstverständlich wäre es einer eingehende Studie wert zu untersuchen, welch alle Kriterien mitspielen, daß das kreiren von Puppen zu solch einem, fast kann man sagen Massenphänomen wurde, wie es sich in den letzten zwanzig Jahren gezeigt hat. Puppenmacherinnen geben die vielfältigsten Argumente an, von denen sie verleitet wurden aus Hobby oder aus Gründen des Gelderwerbs dieser Arbeit nachzugehen. Der elementarste und für mich auch schönste Grund ist der, für die eigenen Kinder Puppen zum Spielen zu gestalten. Nun, das habe ich nie gemacht. Dieser Punkt, der meinem Lebenswerk einen fast sinnlosen Charakter aufprägt, wird mir immer wieder bitter bewußt. Ich komme darüber nicht hinweg, daß ich nur Objekte zum Schönstehen mache, die absolut keinerlei Funktion aufweisen. Darüber hilft mir auch nicht, daß eine große deutsche Spielwarenfabrik sieben meiner Puppen in Kunststoff herstellte. Diese Puppen, hatten letztendlich das gleiche Schicksal, wie die, von mir selbst für Sammler hergestellten, nämlich daß auch sie in Sammlerhände kamen. Sie waren für eine Mutter, die auf’s Geld schauen mußte, absolut unerschwinglich und wurden fast nie für Kinder zum Spielen gekauft. Das einzige was ich für meinen Teil dazu tun kann, um meine Arbeit in meinen Augen zu legitimieren ist, daß ich ungewöhnlich großen Wert auf die Gestaltung des Kopfes lege, er also das Hauptwerk bleibt, Kleidung aber und Sonstiges, das dekorative Zubehör. Ich fühle meine Arbeit als spannende Gradwanderung, und selbst wenn ich versuche, die gesamte Figur als geschlossenes Bild erscheinen zu lassen, ist sie doch in ständiger Gefahr abzurutschen, was leider auch manchmal geschieht.Sammlerpuppen, so wie ich sie produziere und die am Thema Spielpuppe vorbeigehen sind in meinen Augen keine Kunstwerke, auch wenn sie gemeinhin Künstlerpuppe genannt werden. Um ein Kunstobjekt zu sein, wird das Äußere einer Puppe zu sehr dem Zufall überlassen. Die Kleidung und die aufgeklebte Perücke, -für diesen Aspekt ist die wunderschöne Bronzeskulptur von Degas mit dem Ballerinaröckchen aus echtem Stoff auch keine Beruhigung-, erscheinen willkürlich, und dem momentanen Augenblick ausgesetzt. Zerknitterte, oder einfach sich nicht in die Gesamtform einfügende Textilien oder eine aufgeklebte Perücke, die von irgendeiner Fabrik angefertigt wurde, geben unseren Puppen den Ausdruck des Flüchtigen, Vergänglichen. Zudem geschieht im Gegensatz zu den Werken eines wirklichen Künstlers mit unseren Arbeiten etwas, das wir in jedem Falle zu steuern unfähig sind: nämlich daß unsere, mit Liebe, Wissen und Intensität gestaltete Figuren inmitten einer Gruppe von Teddybären auf dem Sofa, oder in einem Bett im Schlafzimmer, in einem Regal voll mit Künstlerpuppen, in einem alten Kinderwagen oder auf einem Podest, in einer sonst sparsam geschmückten Wohnung plaziert sind. Wir wissen nicht, was mit ihnen geschieht, oder wir verschließen die Augen davor. Nur des einen können wir sicher sein, nämlich daß unsere Puppen sehr geliebt und auch gebraucht werden. Doch keinem ernsthaften Kunstwerk ist dieser seltsame Weg beschieden, den oft unsere Puppen gehen.Aus diesem Grund sind wir Puppenmacher mit unserer Arbeit in einem schwer einzuordnenden Neuland, das einer wirklichen Erforschung bedürfte: wieso gibt es tausende an Puppenmachern, die für sich selbst oder andere erwachsene Menschen Puppenlieblinge gestalten, und weshalb gibt es tausende von erwachsenen Menschen, die sich mit Puppen umgeben und darin ein Glück finden? Es erschiene mir äußerst wünschenswert, daß sich endlich einmal ein soziologisch und psychologisch versierter Kunsthistoriker dieses facettenreichen Themas annehmen würde.Ich spüre schon jetzt, wie sich wärend des Schreibens neue Erinnerungsfetzen einschleichen, die sicherlich helfen werden, den nun kommenden Bericht, nämlich wie sich das Puppenmachen zur jetzigen Größe ausweiten konnte, vollständiger zu gestalten. Wie im allgemeinen aus meinem Lebenslauf bekannt ist, begann ich schon in meiner Kindheit mit Puppenmachen, unter Anleitung meiner beider auf jeweils eigene Weise künstlerisch begabten Eltern. Das erste waren Kasperlepuppen, die meine Geschwister und ich dann auch selbst spielten, und bald darauf endstand unter der Aufsicht meines Vaters der erste holzgeschnitzte Kopf für eine Marionette. Doch stand im Zimmer meines Vaters auch noch eine Madonnenbüste mit Jesuskind aus Russland, die mich sehr beindruckte, denn sie hatte auf dem Kopf eine große kostbare Krone und das Kindlein ebenfalls. Nun half mir mein Vater, ich war etwa acht Jahre alt, diese Büste in ihrer Einheitlichkeit in Plastilin nachzubilden. Ich spüre noch wie heute den Geruch des dunklen Plastilinblockes in meiner Nase, und wie mit Hilfe des Modellierbestecks unter meinen Fingern reliefartig, im Arm der Mutter das Kind Gestalt annahm. Da wurde nichts geknetet und nur in den seltensten Fällen wurde wieder etwas aufgesetzt. So lernte ich von Beginn an im Negativ zu denken, und zu arbeiten, was dann später meiner äußerst selten praktizierten Steinbildhauerei aber auch meiner Puppenmacherei sehr zu Gute kam. Schon damals, mit der Madonna, die ich öfters darstellte kam ich mit der Wichtigkeit der Individualität eines Gesichtes in Berührung. Und als ich dann meine Liebe fürs Wachs entdeckt hatte, was nach meinem ersten Besuch in der Münchener Krippensammlung im Nationalmuseum war, begann ich in dieser Materie zu arbeiten: Christkindlein, Krippenfiguren aber auch viele phantastische Geschöpfe, angeregt von Max Ernst, Hyeronimus Bosch, Archimboldi und anderen. Als ich dann etwa zwölf Jahre alt war, konnte ich plötzlich im Kunstbedarfshandel FIMO kaufen, ein sythetisches Material, dessen tranparenter Ton dem Wachs ähnlich war und ich lernte mit diesem Material zu arbeiten. Da entstanden viele Phantasiefiguren, die mit einem mehr oder weniger aufwenigen Stoffetzen auf einem Stock in einer, mit Sand gefüllten Flasche aufgestellt wurden. Das machte ich für viele Jahre, und konnte auch einige Zeit davon leben, als ich aufhörte, in der Musikalienhandlung zu arbeiten, wo ich mir bis dahin meinen Lebesunterhalt verdient hatte.Ich nahm diesen Wechsel zum Synthetischen Material vor, mit dem Gedanken, meine Arbeit vor einem zu zeitigen Alterungsprozess zu schützen, nicht wissend, daß noch aus römischer Zeit unversehrte Wachsbüsten existieren. Und traurigerweise mußten manche meiner Kunden im Laufe der letzten dreißig Jahre erleben, daß sich alle meine Fimoarbeiten zersetzt haben und meine einstigen, verrückten Figuren, jetzt fast nur noch Brösel sind. Da gibt es Puppen aus Fimo, die noch vor fünfzehn Jahren in einem Buch abgedruckt waren, und von denen nun nichts mehr existiert.Anfang der sechziger Jahre lernte ich aber auch eine Keramikerfamilie kennen, die mit weißem Gußton arbeitete, diesen Ton aber auch in leicht veränderter Konsistenz zum Modellieren gebrauchte. Dort entstanden dann meine ersten Kinder -und Frauenköpfe größeren Formats, die ich in einem Anfall von Experimentiergeist in heißes Parrafin tauchte und sah, was für ein wunderbarer Effekt das war. Von meinem Vater hatte ich schon früh gelernt, wie wichtig es ist, von der eigenen Arbeit Formen zu gießen, und in diesem Falle setzte ich dieses Können ein und machte von jedem meiner modellierten Köpfe eine Gipsform, was nicht ausschloß, und das halte ich bis heute genauso, daß ich das Original sorgfältigst aushöhlte, um große Spannungsunterschiede während des Brennens zu vermeiden, und um dann ebenfalls, wie bei den Güssen, in den Hohlraum Glasaugen einsetzen zu können. Diese Arbeiten bot ich mit der endsprechenden Erklärung immer als Einzelstücke an.Ach ich käme vom Hundersten ins Tausenste würde ich alles beachten, was mich auf genau diesen Weg des Puppenmachens brachte, aber ein Detail muß ich noch erzählen: die Erzählung ‘Der Sandmann’ von E.T.A. Hoffmann hatte es mir in meiner Jugend angetan, wo von einem schrecklichen, unheimlichen Puppenmacher die Rede ist und von den Augen, die er seinen Geschöpfen einsetzte. In München war da eine Puppenklinik, der ich alle verfügbaren alten Puppenaugen abkaufte. Das war eine ganze Schachtel voll, in allen Größen, tief eingstaubt, viele noch in die alten Bleigewichte eingefügt, die dafür da waren, daß eine Puppe die Augen auf und zu klappen konnte, manche waren zersplittert oder das Pendant war nicht aufzufinden. Stunden konnte ich über meiner Schachtel sitzen und ordnen, und manchmal zog ich ein einzelnes Auge heraus oder auch zusammengehöriges Paar, das so schön, tief und klar war, daß ich damit die unglaublichsten Phantasien ausspielen konnte. Hin und wieder klemmte ich so ein Bleigestänge mit Augen zwischen meine Finger, und erschreckte somit aus Lausbüberei manche Leute auf der Straße, doch in jedem Falle setzte ich sie in meine postsurrealistischen Figuren ein. Für meine Tonköpfe mit dem Wachsüberzug fand ich bald jemanden in Rom, der speziell für meinen Bedarf Augen anfertigte, und zwar richtige Protesen-Qualität, doch ohne die zu naturalistischen roten Äderchen. Das war noch bevor ich 1972 nach Italien umzog. Ich hatte in Deutschland vorher in vielen einschlägigen Werkstätten darum angefragt, mir diese Sonderanfertigungen zu machen, und niemand war bereit!Hier haben wir z.B. schon das erste Phänomen einer neuen Sachlage, denn heute produziert fast jede Augenprotesenfabik in Deutschland eigens auch Menschenaugenqualität für Puppen.Meine erste persönliche Ausstellung hatte ich 1974 im Rahmen der Gallerie meines Vaters auf dem Kölner Kunstmarkt, und bekam daraufhin eine kleine positive Rezension von Willi Bongard, ich glaube, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Obwohl dieser, wie ich erst später erfuhr sehr bekannte Kunstkritiker noch über Jahre, wärend ich schon in Italien lebte, versuchte, mit mir Kontakt zu halten und mir ermunternd beizustehen, war ich zu schüchtern und hatte so wenig Selbstwertgefühl, (ich machte ja schließlich ‘nur’ Puppen,) daß ich mich nie getraute ihm zu antworten, worauf auch seine Fühlungnahme langsam einschlief.Und dann kam, wärend eines Münchenbesuchs zu Ostern der Tag, wo ich vom Kaufhaus BECK das Schaufenster voller Puppen sah. Vor allem alte Puppen, jedoch minderer Qualität und ein paar moderne Püppchen, wie sie modisch im allgemeinen auf die Überdecken von Schlafzimmerbetten drapiert werden. In mir bäumte sich alles auf, und entschlossenen Schrittes betrat ich das Gebäude, sofort nachfragend, wer für dieses Schaufenster zuständig sei. Ich erhielt einen Termin am Nachmittag, zu dem ich zwei Puppen brachte, -das war im Jahr 1976 und meine Arbeit wurde mit dermaßen großer Freude und Überraschung begrüßt, daß ich für die kommende Advendszeit eingeladen wurde dort auzustellen. Nachdem ich kein Geld hatte um eine Produktion zu gestalten, schenkte mir die Direktion kurzerhand DM 5000.--, mit denen ich herrlich, wenn auch mit bescheidenen Materialien arbeiten konnte. Nur die wunderbaren Glasaugen von Rom waren schon Bestandteil und die herrlich individuell gearbeitete Perücken aus Echthaaar und Mohair von einer Deutschen Firma, mit der ich noch immer in Kontakt bin. Mein Erscheinen in dem Kaufhaus schlug wie ein Blitz ein, und ich hatte täglich undurchdringliche Trauben von Menschen um meinen Stand, an dem ich arbeitete und Rede und Antwort stand. Schon damals im ersten Jahr, konnte ich einige, für mich besonders gelungene Puppen, (das auschlaggebende war immer und alleine der Kopf) schon für mehrere Tausend Mark verkaufen, und war darüber selbst so überrascht, daß ich die Tränen vor Freude und Emotion nicht unterdrücken konnte.Das Jahr darauf bescherte mir noch gößeren Erfolg, und ich bekam meine erste Rezension in der Süddeutschen Zeitung von Claus Heinrich Meyer. Daraufhin kam eines zum anderen, denn dessen Exfrau Karin Felix war damals die Chefredakteutin von BRIGITTE und mir wurde kurzerhand ein siebenseitiger Artikel, mit vielen Abbildungen geschrieben,, der in den Vorweihnachtswochen erschien. Im gleichen Jahr setzte sich mit mir auch COSMOPOLITAN in Verbindung, die gleichzeitig einen ebenfalls mehrseitigen Artikel druckten. Von da an kamen hunderte von Menschen, um mich bei der Arbeit zu sehen und meine Puppen zu bewundern. Nun, da waren auch viele von jungen Frauen, die angeregt von meiner Arbeit heute ebenfalls zur Weltelite unter den Puppenmachern gerechnet werden. Fast alle versuchten ebenfalls realistischere Gesichter zu modellieren, als das gemeinhin unter den Puppen üblich war. Die Ausnahme in der Vergangenheit, waren die so genannten Charakterpuppen, die im allgemeinen von jeweils bekannten Bildhauern speziell für die Puppenindustrie zur Verfügung gestellt wurden, und zu denen letztendlich auch die Puppenkinder der Käthe Kruse zählen. Inzwischen machte ich bis zu etwa dreihundert Puppen im Jahr. Ich hatte damals etwa zehn verschiedene, mehr oder weniger kindliche Basisköpfe die ich grundsätzlich jeweils veränderte, was sie fast zu kleinen Unikaten machte, damit bestritt ich die Hauptproduktion, und jedes Jahr weitere 10 –15 sorgfältig ausgearbeitete und kostbar gekleidete Einzelstücke, die aus einem Stück weißem Ton modelliert und ausgehöhlt waren, um hinterher die Augen einsetzen zu können, wie ich schon oben beschrieben habe.Nachdem bei Beck, mein ohnenhin recht großer Platz, für die Menge meiner Produktion dann doch zu klein war, stellte ich in großen Schränken, in erster Linie die Köpfchen meiner Serienpuppen aus. Die wurden dann im Laufe der drei Wochen, die ich mich dort befand, mit den schon vorhandenen Gliedern zusammengefügt, und der Kunde konnte, nachdem er sich für ein Kleid und eine Perücke entschlossen hatte, kurz vor Weihnachten seinen Schatz nach Hause tragen. Ich verkaufte damals alles. Dann stellte sich mir Kristina Gärtner vor, die meinem Sohn, bei mir in Italien bei den Hausaufgaben helfen sollte, denn ich war inzwischen fast überbelastet, doch schon nach kurzer Zeit stellte sich herraus, daß sie ein starkes bildnerisches Talent hatte, und ich lehrte sie, für meine Puppen Hände und Füße zu modellieren, die, wie ich auch heute noch feststelle, sicherlich zu den schönsten und vollkommensten ihrer Art auf der Welt gehören. Sie stehen in meinen Augen in nichts den anmutigen und ausdrucksvollen Händen der Skulpturen der Meister aus früheren Jahrhunderten nach. Als dann Beck ein Geschäft im Trump – Tower in New York eröffnete, begann der Siegeszug meiner Arbeit in Amarika und dann in der ganzen Welt.
(Mit Dank an meine Eltern, die mich in solch künstlerisches Klima hineinwachsen liessen). |
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